Die Ikone, auf der der Großmärtyrer Nikita dargestellt ist, malte 1669 ein unbekannter Autor. Die Arbeit war speziell für die Georgskirche in Murom angefertigt worden. Dort existierte eine Seitenkapelle zu Ehren des Heiligen Nikita. Diese Arbeit gehörte zu einer Gruppe von fünf Ikonen, die der Kirche ihr Erbauer und Stifter Sidor Lopatin geschenkt hatte.
Im Mittelteil ist der Heilige in ganzer Größe dargestellt worden. Er trägt eine reich verzierte Rüstung und einen wallenden roten Umhang, der auf der Brust zusammengehalten wird. Die Arme des Heiligen sind weit ausgebreitet. In der rechten Hand hält er ein rotes Kreuz – das Symbol des Märtyrertums, und in der linken Hand – ein gesenktes Schwert. Eingefasst wird der Mittelteil durch einen Rahmen, der in Form eines Ornaments gestaltet worden ist. Über dem Haupt des Heiligen bildet er eine Art Bogen.
Der Heilige Nikita war ein Krieger, der den Märtyrertod fand. Laut seiner Vita stammte er von Goten-Stämmen ab. Der Aufklärer und Teilnehmer des ersten Ökumenischen Konzils, Bischof Theophilos, hatte ihn zum Christentum bekehrt. Bald danach begannen in den Goten-Stämmen kriegerische Fehden, in deren Ergebnis Heiden an die Macht gelangten. Den Heiligen Nikita nahm man gefangen, unterwarf ihn zahlreichen Folterungen und verbrannte ihn auf dem Scheiterhaufen. Das geschah im Jahr 327. Der Freund des Heiligen, der Christ Marian, machte nachts den Leichnam des Märtyrers ausfindig und brachte ihn nach Kilikien (liegt auf dem Territorium der heutigen Türkei), wo er ihn beisetzte. Später brachte man die Gebeine des Heiligen Nikita nach Konstantinopel.
Ab dem 14.-15. Jahrhundert war in Russland neben der kanonischen Vita des Heiligen Nikita der Goten die übersetzte apokryphische Schrift „Das Martyrium des Nikita“ verbreitet, die eine Reihe wundersamer Details enthielt. Da gab es beispielsweise eine Erzählung über einen Zweikampf Nikitas mit einem Dämon im Kerker. Im Zusammenhang damit wurde der Heilige in Russland besonders als ein Helfer im Kampf gegen die Dämonen verehrt und oft als ein einen Dämon niedertretenden dargestellt.
Die Ikone erinnert an Arbeiten aus der Moskauer Schule der Ikonenmalerei des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dabei sind im Vergleich mit den Ikonen der Moskauer Ikonenmaler die Maltechniken hier stark vereinfacht und standardisiert worden. Die Figuren und Gesichter sind einförmiger und schematischer. Die Kompositionen der kleinen Randbilder erscheinen, etwas überladen zu sein. Eine gewisse Vereinfachung ist auch im Farbspektrum zu spüren. Es basiert auf der Verbindung einiger leuchtender und gesättigter Farben und ist beinahe ohne Halbtöne und Schattierungen.



