Die Ikone, auf der der Heilige Leontij von Rostow dargestellt ist, hat ein unbekannter Ikonenmaler um das Jahr 1677 geschaffen. Ursprünglich befand sie sich in der Nikolauskirche im Muromer Stadtteil Sarjade. Dort befand sich ein Nebenaltar, der Leontij von Rostow geweiht war. Die Kirche ist von 1675-1677 mit Geldern des Kaufmanns Iwan Smolin gebaut worden. Er hat die Kirche „zum ewigen Andenken an seine Eltern“ errichten lassen. Der Vater des Kaufmanns hieß Leontij, und diese Ikone sollte sein Schutzpatron sein. Als Schutzpatronin gilt jene Ikone, die das Abbild des Heiligen zeigt, dessen Namen dem Besitzer dieser Ikone bei seiner Taufe gegeben worden ist.
Der Heilige Leontij von Rostow wurde im 11. Jahrhundert in Konstantinopel geboren. Bereits in sehr jungen Jahren wurde er zum Mönch geweiht. Wenig später wurde er zum Bischof von Rostow ernannt, wo er die Heiden von Rostow zum Christentum bekehrte. Der Heilige Leontij von Rostow wurde zu einem der ersten Heiligen Russlands und der erste Bischof der Stadt Rostow, der heiliggesprochen worden ist. Die uns heute noch erhaltenen Lebensbeschreibungen unterscheiden sich in ihrer Schilderung des Ablebens des Heiligen. Einer Version nach wurde der Heilige von Heiden mit Steinen erschlagen, in einer anderen starb er eines natürlichen Todes und wurde in der Rostower Kirche zu Ehren der Gottesmutter beigesetzt, die sein Nachfolger im Amt errichten ließ. Die Reliquien des Heiligen wurden in den 1160-er Jahren gehoben, und schon bald bestimmte der Rostower Bischof Ioann einen Festtag zum Andenken an Leontij. Allgemeine Verehrung in ganz Russland erlangte der Heilige dann im 14. und 15. Jahrhundert.
Um den zentralen Teil der Ikone herum befinden sich vierundzwanzig sogenannte Kleimen, kleine Darstellungen mit Szenen aus dem Leben des Heiligen. Jedes Bildchen ist mit einer Aufschrift bezeichnet. Die Kleimen lassen sich inhaltlich in einige Gruppen einteilen. Die ersten zehn Darstellungen zeigen das Leben des Heiligen vor seiner Bischofsweihe. Das elfte und zwölfte Kleimo berichtet von seiner Bischofsweihe sowie seiner Reise per Schiff nach Rostow. Eine andere Szene zeigt seine Begegnung mit den Heiden.
Die folgende Gruppe stellt den Bischof in seiner Tätigkeit als Missionar dar: der Bau einer Kirche, die Taufe von Kindern und Erwachsenen, die Bekehrung der Heiden zum Christentum und die Taufe des Volkes. Dieser Gruppe lässt sich auch die Darstellung des Ablebens des Heiligen Leontij zuordnen. Die vierte Gruppe beschreibt die Wunder, die von den Reliquien des Heiligen ausgingen. Dazu gehört die Darstellung von unzähligen Heilungen an seinem Grabe nach dem Brand im Jahre 1408. Das letzte Bild zeigt die Heilung einer Frau, die den Verstand verloren hatte.




