(1540er Jahre)
Die Ausstellungsstücke in diesem Raum widmen sich der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts, deren wichtigster Vertreter Tizian Vecellio war. Mit seinem Namen wird das postume Porträt des Kardinals Antoniotto Pallavicini verbunden, des Vorstehers der katholischen Kirche Santa Prassede. Von Tizians Urheberschaft zeugt ein Eintrag im Inventar der Gemäldesammlung des flämischen Malers Anthonis van Dyck, der im 17. Jahrhundert lebte und in dessen Besitz das Porträt war. Der Kardinal wurde friedlich in seinem Sessel sitzend eingeprägt. In seinem Schoß ruht ein aufgeschlagenes Buch. Er ist in seine Gedanken versunken, und seine Haltung ist frei und natürlich. Die Abbildung des Modells als Kniestück, die antike Säule hinter Pallavicini und die idyllische Landschaft in der Ferne geben dem Porträt einen Hauch von glanzvoller Zurschaustellung. Das Abbild ist unter dem Einfluss des humanistischen Pathos idealisiert und weist verschiedene positive Eigenschaften auf, die in der Zeit der Renaissance hoch geschätzt wurden. In Pallavicinis Charakter hat der Künstler die vornehmen Eigenschaften eines gebildeten und geistig reichen Menschen betont. Der aus der Welt der Natur herausgenommene Mensch erhält eine besondere Bedeutung und wird auf monumentale Weise verallgemeinert, sodass er als Zentrum des Weltalls und Maß aller Dinge erscheint.




